Mit der D780 packt Nikon viel Z6 in eine DSLR

Januar 7, 2020 Werkzeug
Nikon D780 (Foto: Pressefoto Nikon)

Nikon hat heute, am 7. Januar 2020, die Nikon D780 vorgestellt. Sie stellt ein Update der sehr erfolgreichen D750 dar, mit der ich seit letztem November fotografiere. Betrachtet man das Gehäuse der D780, wirkt sie wie ein Klon ihrer älteren Schwester. Auch die Auflösung ist mit 24,5 Megapixeln die gleiche, wie bei der D750. Und doch hat die neue Nikon D780 etliche Asse im Ärmel. Eine Einschätzung vorweg: Wenn die D750 und die Z6 ein Daten gehabt hätten, dass wäre dabei wohl heraus gekommen, denn die D780 bietet viele Funktionen der Nikon Z6 aber eben in der Verpackung einer DSLR.

So legt sie vor allem bei der Serienbildgeschwindigkeit satt zu, denn sie schafft mit bis zu 12 Bildern pro Sekunde im Live View-Modus die doppelte Bildrate der D750. Das sind zwölf Vollformat-Belichtungen pro Sekunde, die dann aber mit 12 statt 14 Bit gemacht und im RAW-Format gespeichert werden. Wenn man durch den Sucher blicken will, also der Spiegel weiter „auf und abflattert“, sind es immerhin 7 Bilder pro Sekunde und zwar bei 14 Bit. Damit aber nicht genug, denn mit einem technischen Kniff sind sogar noch mehr drin. Deutlich mehr!

Bis zu 120 Bilder pro Sekunde

Bei diesem technischen Kniff bedient sich die Kamera quasi des Live-View-Videomodus. Der Spiegel wird und bleibt hoch geklappt wie auch bei den 12 Serienbildern pro Sekunde mit Live-View. Aber es werden keine einzelnen Belichtungen mehr gemacht, sondern aus dem Live-View-Videostream werden quasi Zeitrafferaufnahmen in Full-HD-Auflösung (das sind zwei Megapixel pro Bild) mit 120 Bildern pro Sekunde gegrabbt und gespeichert. Wenn man in der höheren 4K/UHD-Auflösung arbeitet (das sind acht Megapixel pro Bild), sind noch satte 30 Bildern pro Sekunde machbar. Mit diesen Bildraten lässt sich sicher auch der Flügelschlag eines Kolibri einfrieren.

Zwei Fokussysteme

Nikon hat der D780 abermals 51 Fokusmessfelder im Phasenerkennungsmodus beim Blick durch den Sucher spendiert. Das ist im Prinzip das Modul der D750, aber deutlich verbessert und mit den Fokus-Algorythmen der D5 aufgebohrt. Aber es steckt noch ein zweites Schärfensyetem in der Kamera. Im Live-View-Modus nutzt die Kamera das Fokussystem der spiegellosen Nikon Z6. Dabei werden 273 Messfelder direkt auf dem rückseitig belichteten CMSO-Bildsensor genutzt, die circa 90% des gesamten Bildes abdecken. Sie arbeiten ebenfalls mit der Phasenerkennung und nicht wie frühere Live-View-Fokus-Systeme beispielsweise in der D750 über Kontrastabgleich. Damit ist es viel schneller als bisherige Live-View-Fokussierungen. Die Motivverfolgung und Gesichtserkennung ist damit schneller und akkurater. Apropos Z6, der Bildsensor der neuen D780 dürfte nicht zuletzt wegen dieser Fokusmethode mit ziemlicher Sicherheit der gleiche sein, wie der in der Z6. Der neuer Augenautofukus soll den Mensch sprichwörtlich im Auge behalten und auch die Fokussierung bei wenig Licht soll verbessert worden sein.

Der Body der Nikon D780 ist weitestgehend aus einer Magnesiumlegierung.

Auch die sehr gute Ergonomie der D750 hat die D780 geerbt. Das Gehäuse ist weitestgehend aus einer Magnesiumlegierung gefertigt. Der neigbare Monitor bietet jetzt eine Touchscreen-Bedienung. Der optische Sucher hat einen Vergrößerungsfaktor von 0,70 und bietet ein großes Sichtfeld und eine 100-prozentige Bildfeldabdeckung. In Sachen Konnektivität ist die Kamera Gut ausgestattet, bei WLAN auf neuestem Stand und nutzt den Bluetoothstandard 4.2. USB-Tyb C, Audioaus- und eingänge als 3,5 mm Klinke und ein HDMI-Ausgang Tyb C sind ebenfalls verbaut. Kurz nochmal zum Thema WLAN. Damit soll es wohl endlich möglich sein, direkt „auf den Computer“ zu fotografieren, was vor allem Studiofotografen freuen wird. Bisher hat Nikon das Thema WLAN meist „vom Smartphone aus gedacht“.

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Die Belichtungszeiten spannen sich von 1/8000 Sekunde bis 900!!! Sekunden (also 15 Minuten). Damit bist du sehr flexibel und kannst auch „programmierte“ Lanzeitbelichtungen machen, ohne mit der Stoppuhr neben der Kamera stehen und den Fernauslöser „nach der Uhr“ bedienen zu müssen. Eine Funktion, die ich sehr gut und nützlich finde. Und da das eine reine Software-Sache sein dürfte, würde ich mir sehr wünschen, dass Nikon das für andere Kameras nachliefert. Nikon-Blitzgeräte sollen auch mit kürzesten Verschlusszeiten synchronisierbar sein. Die ISO-Einstellung reicht von 100 bis 51.200 und kann nach oben bis ISO 204.800 (wer‘s braucht) und nach unten bis ISO 50 gepusht/gedrückt werden.

Die beiden Speicherkartenfächer nehmen schnelle UHS-II-SD-Speicherkarten auF, der klappbare Monitor auf der Rückseite ist jetzt ein Touchscreen, sodass verschiedene Funktionen auch über den Bildschirm bedient werden können.

Auch die Videofilmer kommen auf ihre Kosten

Nikon hat bei der D780 aber auch die wachsende Zahl der Video-Filmer nicht vergessen, die mit DSLR-Kameras filmen. Die Kamera zeichnet mit ihrem CMOS-Bildsensor hochauflösende 4K/UHD-Videos (3840×2160 Pixel) bei Bildraten von 30p, 25p und 24p auf und das ohne Beschnitt. Du kannst mit der Kamera Full-HD-Zeitlupenfilme mit 120p und Audio aufzeichnen. Und wenn Du auf das DX-Format herunter cropst, sind Bildraten von 50p und 60p machbar. Die Geschwindigkeit des Autofokus-Antriebs und die Empfindlichkeit der Schärfenachführung können während des Filmens angepasst werden. Zudem sind vier verschiedene AF-Messfeldsteuerungen für Videos verfügbar. In Sachen Video-Codecs etc. ist die Kamera auf Höhe der Zeit. Ich könnte hier noch mehr zum Thema Video schreiben, aber das Videofilmen ist (bisher) nicht mein Fokus.

Was hat die D780 nicht (mehr)

Es gibt aber auch zwei Dinge, die die D780 gegenüber der D750 eingebüßt hat. Zunächst hat sie im „Dach“ des Prismas keinen aufklappbaren Blitz mehr. Die D750 hat diesen noch. Ich finde das jetzt weniger tragisch, das es keinen eingebauten Blitz mehr gibt. Wenn man blitzen will, dann kann man auch gleich einen vernünftigen, leistungsstarken Aufsteckblitz aufsetzen. Mit dem kann man sowieso mehr machen, wenn dieser einen schwenk- und drehbaren Reflektor hat.

Unter der Kamera finden wir nur noch das Fach für den Akku aber keinen Anschluss für einen Hochformat/Batteriegriff mehr.

Was ich eher bedauere ist, dass Nikon für die D780 angeblich keinen Hochformatgriff mit Fach für einen Zusatzakku mehr plant. Auf der Unterseite fehlen auch die entsprechenden Anschlüsse. Dort ist nur der Deckel des Akkufaches zu sehen. Das finde ich recht schade. Auch wenn die D750 und auch die D780 schon sehr ergonomisch sind, finde ich den Hochformatgriff, den ich schon ein meiner D90 hatte und jetzt an meiner D750 habe, sehr praktisch. Ich habe recht große Hände und mit dem Hochformatgriff liegt mit die D750 noch besser in der Hand und bei Hochformatfotos muss man nicht „übergreifen“ um den Auslöser zu drücken. Das die D780 nicht mehr mit einem solchen „Anbau“ ergänzt werden kann, finde ich sehr schade. Gut, der Akku soll über 2000 Schüsse durchhalten, sodass man den Hochformatgriff nicht mehr unbedingt für einen Reserveakku braucht, den man zur Not auch in der Kameratasche hat und einfach tauschen kann.

Ein weiter Punkt, den ich nicht verstehen kann ist, dass Nikon abermals kein GPS-Ortungssystem in die Kamera eingebaut hat. Man kann also abermals nicht die Bilder mit Geokoordinaten versehen. Wer gerne so wie ich auf Reisen fotografiert, wünscht sich diese „Verortung“, denn damit lassen sich Bilder in einem Katalogsystem auch ordnen und vor allem finden. Ein GPS-Chip ist weder groß noch teuer und ließe sich meiner Meinung nach problemlos einbauen. In manchen billigen Kompaktkameras steckt diese Funktionalität drin und in jeden Smartphone sowieso. Aber hier müsste man wieder irgend ein anzustöpselndes Zusatzdingsbums kaufen, um die GPS-Koordinaten direkt bei der Aufnahme in die EXIF-Daten schreiben zu können. Schade. Sehr schade.

Verfügbarkeit & Preis

Die Nikon D780 ist voraussichtlich ab Ende Januar 2020 im Handel erhältlich. Es wird zunächst das Nikon D780 Gehäuse für 2.499 Euro (UVP) angeboten und dann ein Kit aus der Nikon D780 Kit mit AF-S NIKKOR 24-120 mm 1:4G ED VR für 2.999 Euro (UVP). Auf der Nikon-Shop-Seite kann man sie auf jeden Fall schon bestellen. Mal sehen, wie sich die Straßenpreise entwickeln. Und Nikon hat die D750 nicht aus dem Programm genommen, sondern listet sie weiter auf der Internetseite auf. Allerdings wird bei der Lieferzeit derzeit „kein Lagerbestand“ angegeben.

Mein Fazit

Ich bin mit meiner Nikon D750 sehr zufrieden und daher gehe ich davon aus, dass Nikon mit der D780 ebenfalls eine exzellente Kamera gelungen ist. Ich glaube, da steckt viel von der Z6 drin und ich hoffe, das Teil früher oder später mal ausprobieren zu können. Sehr gut finde ich die bis 900 Sekunden einstellbare Belichtungszeit, denn davon wird man nicht nur in der Landschaftsfotografie profitieren können. Meine Nikon D750 werde ich aber nicht durch ihre neue Schwester ersetzen, denn wenn, will meinen „Furhpark“ mit einer Kamera mit höherer Auflösung wie der D850 oder der Z7 ergänzen. Apropos Auflösung. Warum die Auflösung nicht etwas höher ist und beispielsweise mit irgendwas über 30 Megapixel die Lücke zwischen 24,5 und den 45,4 Megapixeln der D850 etwas verkleinert, kann man sich fragen. Bedenkt man, dass die D850 mit 2899 Euro (UVP) nur 400 Euro teurer ist, als die D780, wird Nikon sich vielleicht deshalb für die „nur“ 24,5 Megapixel entschieden haben, um den Markt der D850 nicht zu kanibalisieren. Allerdings würde es mich nicht wundern, wenn auch in der 800er-Serie mittelfristig ein neues Modell nachgelegt wird. Und das eine D6 folgt, hat Nikon ja ebenfalls bereits offiziell verkündet. Die neue D780 und die zu erwartende D6 jedenfalls belegen, dass das Gerücht, Nikon (und andere Hersteller) würden aus dem DSLR-Geschäft aussteigen, wohl bislang keine fundierte Basis hat. Schließlich hat auch Canon jüngst die Canon EOS 1DX Mark III als Profikamera und neue Spitze der Produktrange für 7300 Euro vorgestellt. Die ist bei der Auflösung mit 20,1 Megapixeln sogar etwas unter der D780 angesiedelt, hämmert aber bis zu 16 Bilder Pro Sekunde beim Blick durch den Sucher in der Serienbildfunktion weg. Im Live-View sind es dann 20 pro Sekunde.

Die wichtigsten neuen Ausstattungsmerkmale

Sucher-AF: Das schnelle Autofokussystem mit Phasenerkennung und 51 Messfeldern bietet eine Empfindlichkeit von bis zu -3 LW. Außerdem profitieren Fotografen von einer Motivverfolgung der Spitzenklasse und einem schnellen Wechsel zwischen erweiterten AF-Modi.
AF im Live-View: Das Hybrid-AF-System mit 273 Messfeldern arbeitet mit einer Empfindlichkeit von bis zu -4 LW bzw. im Modus »Autofokus mit wenig Licht« bis zu -6 LW.¹ Der Augen-AF steht für Fotoaufnahmen zur Verfügung.
Aufnahmeserien mit bis zu 12 Bildern/s: Mit AF/AE lassen sich bis zu 7 Bilder/s oder im Modus »Stille Live-View-Auslösung« bis zu 12 Bilder/s aufnehmen. Auch Aufnahmen im RAW-Format werden in voller Auflösung aufgezeichnet.
Optischer Sucher und neigbarer Touchscreen: Der optische Sucher mit einem Vergrößerungsfaktor von 0,70 bietet ein großes Sichtfeld und eine Abdeckung von 100 %. Der neigbare LCD-Monitor mit 2,359 Millionen Bildpunkten ermöglicht sowohl die Bedienung des Autofokus als auch die Auslösung per Touchfunktion.
Erstklassige Bildqualität: Kompatibel mit Objektiven mit F-Bajonett. CMOS-Vollformatsensor mit 24,5 MP. Bildprozessor EXPEED 6. RGB-Sensor mit 180 000 Pixeln und erweitertes Motiverkennungssystem, übernommen von der D850.
Besonders großer ISO-Bereich: Die D780 bietet einen größeren ISO-Bereich als die erstklassige D850. Der Bereich reicht von ISO 100 bis 51 200 und ist erweiterbar auf bis zu 204 800 und ISO 50.
D-SLR-Filme in Vollformat: Hochauflösendes 4K/UHD-Filmmaterial lässt sich bei 30p/25p/24p ohne Beschnitt aufnehmen. Für die Ausgabe stehen neben der internen Aufzeichnung auf SD-Speicherkarte auch die externe Aufzeichnung mit 10 BIT N-Log und Hybrid Log Gamma (HLG) zur Verfügung.
Kreative Freiheit: Kamerainterne Zeitrafferfunktion. 2-MP-Fotos bei beeindruckenden 120 Bildern/s. Kamerainternes Digitalisierungsmenü. Und vieles mehr.
Schnelle Bildübertragung: Mit der Hochgeschwindigkeitsfunktion der Kamera zur Datenübertragung und der kabellosen Konnektivität lassen sich Bilder ganz einfach übertragen. Dank SnapBridge können Benutzer JPEGs und RAW-Dateien mit jedem Smartgerät teilen.
Reserve-Tank: Dank zweier SD-Kartenfächern lässt sich die Speicherkapazität erweitern oder die zweite Karte als In-Camera-Backup nutzen.

Die vollständigen technischen Daten sind hier auf der Nikon-Seite zu finden: https://www.nikon.de/de_DE/product/digital-cameras/slr/professional/d780#tech_specs

  • Blende: ƒ/22
  • Kamera: NIKON D810
  • Aufgenommen: 24 Juli, 2019
  • Blitz: Nein
  • Brennweite: 370mm
  • ISO: 100
  • Verschlusszeit: 1/160s

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