Lerg Lichtbilder

(Durchs) Objektiv betrachtet

Mond mit ein bisschen dings und ein bisschen bums

„Jetzt hat der schon wieder den Mond fotografiert!“ Das mag sich jetzt mancher denken. Stimmt auch, schließlich ist das Motiv ebenso dankbar wie geduldig. Und trotzdem ist das hier kein normales Bild vom Mond, wie Du auf den zweiten Blick sicher schon längst erkannt hast. Nein, es ist eine Montage oder „Composing“, wie man auf Neudeutsch sagt. Denn ohne Montage ist dieses Bild im Prinzip so nicht möglich. Man kann das so nicht fotografieren. Warum?

Nun, in meinem letzten Beitrag zum Thema fotografieren des Mondes hatte ich ja erklärt, dass man das gesamte Bild quasi unterbelichten muss, um den Mond als das mit Abstand hellste Objekt am Nachthimmel korrekt zu belichten. Der Mond sieht also schön kontrastreich aus und hat Zeichnung, aber der Rest des Bildes ist einfach vollkommen schwarz. Also kann man den Mond UND den Vordergrund – hier die Silhouetten der Bäume – nicht zusammen auf einem Bild „von vorne bis hinten“ korrekt belichtet fotografieren. Und das liegt nicht nur an der Belichtung. Beim Mond ist der Fokus der Kamera sozusagen auf Unendlich gestellt, der Mond ist damit scharf, aber der Vordergrund eben völlig unscharf. Stellt man aber auf den Vordergrund scharf, die Bäume waren hier vielleicht 10 Meter weit weg, dann ist der Mond nicht nur unscharf, er ist quasi weißer Matsch.

Zwei unterschiedliche aufnahmen der gleichen Szene

Ich habe hier also mein AF-P Nikkor 70-300mm 1:4.5-5.6E ED VR  auf meiner Nikon D750 auf ein Stativ gepackt und die Szene erst eingerichtet und dann zwei Fotos gemacht. Einmal mit Fokus und Belichtung auf den Vordergrund und dann direkt nochmal mit Fokus und Belichtung auf den Mond. Hier mal beide Aufnahmen in der Gegenüberstellung.

Auf den Mond fokussiert und belichtet.
Auf den Mond fokussiert und belichtet.
Auf den Mond fokussiert und belichtet.
Auf den Vordergrund fokussiert und belichtet.
Auf den Vordergrund fokussiert und belichtet.

Beide Aufnahmen habe ich dann erst einmal in Adobe Lightroom optimiert und danach in Photoshop über das Ebenen-Werkzeug übereinander gestapelt und dann sozusagen den Mond ausgestanzt oder in die Vordergrundaufnahme hineingestanzt.

Wenn Du die Gegenüberstellung oben anschaust, wird dir auffallen, dass der Mond in „seiner“ Aufnahme kleiner wirkt, als der „runde weiße Matsch“ in der Vordergrundaufnahme. Theoretisch ist der Mond in beiden gleich groß, denn ich habe den Bildausschnitt nicht verändert. Aber wenn etwas sehr weit weg ist und nicht im Fokus ist, sondern man eben auf ein deutlich näheres Objekt – die Bäume – scharfstellt, dann „quillt“ das Objekt im Hintergrund durch die Unschärfe sozusagen optisch auf. Deshalb musste ich den Mond vor dem Ausstanzen erst einmal um circa 30 Prozent vergrößern, damit er den kreisrunden weißen Matsch der Vordergrundaufnahme überdecken kann.

Der Mond ist in der Montage also ein ganzes Stück größer, als er in diesem Moment tatsächlich am Nachthimmel zu sehen war. Damit ist der Mond in gewisser weise in diesem Bild falsch, obwohl er in echt an gleicher Stelle vorhanden war. Der zweite offensichtliche Fehler in dem Bild ist natürlich, dass der Mond von einem “Halo“, also einem Lichtschein umgeben ist, denn der eingestanzte, vergrößerte Mond wird ja quasi von dem Mondlicht der Vordergrundaufnahme von hinten angestrahlt. Diesen Effekt könnte man tatsächlich nur bei einer Sonnenfinsternis sehen, wenn sich der Mond also zwischen die Sonne und die Erde schiebt. Und auch dann wiederum wäre der Mond viel dunkler und hätte keine oder kaum Zeichnung.

Mit anderen Worten, ein Bild wie diese Montage wäre ich der Realität quasi unmöglich. Hier noch das zweite Motiv, dass ich an diesem Abend auf diese Weise fotografiert und gebaut habe.

Montage Mond hinter Baum

Die beiden Motive sind durch die Montage quasi nicht echt, da man dieses Motiv „out of camera“ nicht hinbekommen würde. Aber ich finde diese beiden Montagen sind für meinen ersten Versuch schon richtig gut geworden. Potential für Optimierungen ist dennoch einiges vorhanden.

Ich will diese Aufnahmen nochmal wiederholen, wenn sozusagen glasklarer Himmel ist. Hier haben die Wolken am Himmel ja wie ein Diffusor gewirkt und für ein weiches, gestreutes Licht am Himmel und auch flächige Strukturen gesorgt. Wenn der Himmel klar ist, dürfte dieser Halo und Schimmereffekt vermutlich weitgehend ausbleiben und sich das ganze „sauberer stanzen“ lassen.

  • Kredit: Andreas Lerg

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