Lerg Lichtbilder

(Durchs) Objektiv betrachtet

Reichweite zahlt keine Rechnungen

Heute schrieb mich so eine Influencer-Dame (ich bleibe mal nett) über meinen Instagram-Account und wegen eben diesem an. Sie lobte meine „amazing photos“ und sagte, wie toll sie diese findet. Und dann kam die Frage, ob sie diese auf ihrem tollen Instagram-Account teilen dürfe. Sie hätte über 80.000 Follower, was meinen Bilder eine ganz tolle Reichweite bieten würde. Und diese Reichweite ist dann auch schon alles, was sie geboten hat. Hier die vollständige E-Mail von „Isabella“:

Hi andreasunterwegs, 
I saw you share amazing photos, and I really love them. I think with the pictures you’re doing an awesome job.
I’d love to share your pictures on my page. My page is @ElegantnDelux and I have over 80,000 followers, and I know they’re going to enjoy seeing your photos. If I can share your photos on my profile, you’ll be seen by many and gain so many new followers.
I hope we can do that because if we do that, you’ll get so many new followers.
May I share your photos with you?

Best Regards
Isabella from ElegantnDelux

Also die typische Influencer-Nummer: Etwas ohne Geld kostenlos bekommen und haben wollen und dafür mit Reichweite „bezahlen“. Ich habe ihr wie folgt geantwortet:

Hi.
As a photographer, journalist and author I am a very strong believer in copyright. And as well I am a very strong believer in real economic exchange (value against money)! So I absolutely do not agree. You are singing the typical influencer song: „I want your things/products for free but I can offer range“. Well range won’t pay my bills! If I go to my bank and say „Hey have some range I got from an influencer for my stuff I gave away for free. Can I pay for my mortgage with that range please…“ they will lough and say „well money will do! You’d better should have sold your stuff“.
So again: No you can not use my photos for free. If you are willing to pay, lets talk. But I guess you are not.
Regards
Andreas

Die Übersetzung beider Mails findest Du am Ende dieses Beitrages

Taugt Reichweite als Währung? Und wenn ja, was?

Diese Frage kann man sicherlich diskutieren. Aber mit Reichweite kann man nichts kaufen, nichts bezahlen, wie ich Isabella auch geschrieben habe. Reichweite, vor allem diese indirekte, die die gute Isabella da in Aussicht stellt, würde nur dann als Währung taugen, wenn man diese verlässlich 1. bemessen und 2. in Geld umtauschen könnte.

Doch solche Reichweite bleibt in der Regel fiktiv. Isabella und ihre Luxus-Gedöns-Instagramseite mag vielleicht durch das Posten fremder/meiner Bilder selbst direkte Reichweite für sich generieren und diese dann eventuell auch über Sponsoren und Werbepartner monetisieren können. Und auch hier will ich den „Wechselkurs“ lieber nicht wissen. Vor allem aber spart sie Kosten für Content, wenn sie diesen umsonst abgreift!

Aber bei anderen, also auch bei mir, käme diese „geliehene“ Reichweite sozusagen nur noch „über Bande“ an, um mal einen Vergleich mit Billard zu ziehen. Wenn „es Isabellsche“ mit so einem Post vielleicht 50% ihrer Follower erreicht – keine Ahnung, ob ich da nicht schon zu hoch oder doch zu niedrig gegriffen habe, wieviele von denen kommen dann tatsächlich auf meinen Instagram-Account? Und wieviele davon wiederum besuchen meine dazugehörige Internetseite? Und wie soll man die dann, wenn überhaupt messbar, kalkulieren? Bringt mir diese Reichweite vielleicht Kunden, die mich als Fotografen buchen? Wie profitiere ich tatsächlich von diesem Reichweite-Versprechen?

Ganz ehrlich, solche Deals sind in etwa so effektiv, wie an der Küste auf dem Deich in den Wind zu furzen und sich zu wundern, dass man nichts riecht!

Immerhin ist es schon nett, wenn so jemand meine Fotos für nutzenswert hält. Aber eben echt nicht für lau!

UPDATE 23:59 Uhr

Isabella hat sich nochmal gemeldet. Die dumme Nuss (ich bin jetzt nicht mehr nett) hat meine E-Mail wohl gar nicht gelesen und inhaltlich verstanden. Sie schreibt nur, das es ja toll sei das ich mich gemeldet habe und das die Veröffentlichung eines „Shoutouts“ mit einem Bild 39 US-Dollar kostet und mir 500 Follower brächte und das sie mir ganz tolle Staffelpreise anbieten könne, wenn sie mehrere Bilder von mir veröffentlichen würden. Ich schreib der Isabella jetzt ein letztes Mal und die E-Mail lasse ich hier auch weg, denn wie gesagt, ich bin jetzt nicht mehr nett.

Übersetzungen
Hallo andreasunterwegs,
Ich habe gesehen, wie du tolle Fotos geteilt hast, und ich liebe sie wirklich. Ich denke, mit den Bildern machst du einen tollen Job.
Ich würde gerne deine Bilder auf meiner Seite teilen. Meine Seite ist @ElegantnDelux und ich habe über 80.000 Follower. Ich weiß, dass sie deineFotos genießen werden. Wenn ich deine Fotos in meinem Profil teilen kann, werden Sie von vielen gesehen und gewinnen so viele neue Follower.
Ich hoffe, wir können das tun, denn wenn wir das tun, wirst duso viele neue Anhänger bekommen.
Darf ich deine Fotos mit ihnen teilen?
Freundliche Grüße
Isabella von ElegantnDelux


Hallo.
Als Fotograf, Journalist und Autor glaube ich fest an das Urheberrecht. Und ich glaube auch sehr stark an einen echten wirtschaftlichen Austausch (Wert gegen Geld)! Also stimme ich absolut nicht zu. Sie singen das typische Influencer-Lied: „Ich möchte Ihre Sachen / Produkte kostenlos, aber ich kann Reichweite anbieten“. Nun, Reichweitewird meine Rechnungen nicht bezahlen! Wenn ich zu meiner Bank gehe und sage: „Hey, ich habe eine Reichweite, die ich von einem Influencer für meine Sachen bekommen habe, die ich kostenlos verschenkt habe. Kann ich meine Hypothek bitte mit dieser Reichweitebezahlen … “ werden sie lachen und sagen: „Geld wäre in Ordnung! Du hättest deine Sachen besser verkaufen sollen “.
Also nochmal: Nein, du kannst meine Fotos nicht kostenlos verwenden. Wenn Du bereit bist zu zahlen, lass uns sprechen. Aber ich denke du bist es nicht.
Grüße
Andreas

  • Blende: ƒ/2.2
  • Kamera: iPhone X
  • Aufgenommen: 30 Juni, 2018
  • Blitz: Nein
  • Brennweite: 2.87mm
  • ISO: 100
  • Position: 51° 5′ 15.62″ N 9° 29′ 7.4″ E
  • Verschlusszeit: 1/100s

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